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Gebäude entfernen heißt ist nicht automatisch Fortschritt. Es heißt auch, Geschichte verdrängen, Erinnerung über Bord werfen. Potenziert sich die Sache bei einem Doppel-Abriß? Jetzt fiel mir dazu eine Fotoserie zur Umgebung am Leipziger Wagnerplatz in die Hände. Da wohnte ich damals und konnte direkt auf die Blechbüchse schauen.

Dort, wo die Blechbüchse als fensterloses Provisorium mit Alufassade bereits vor Jahren ihre Bedeutung als Konsumtempel verlor, kam unter der Verkleidung die arg ramponierte Fassade des alten Kaufhauses zum Vorschein, dass seit 1908 als eines der ersten und damals größten Kaufhäuser in Deutschland an dieser Stelle öffnete.

Bei der feierlichen Eröffnung des Kaufhauses mit neuer Fassade 1968 wurde – das sieht auch das ungeschulte Auge – die nachhaltige Gestaltung des Platzbereiches so ziemlich ausgeblendet. Die Blechfassade passte sich in den (DDR)Zeitgeist ein und wertete die graue und nackte Fassade sichtlich auf.

Nun ist sie weg, der Rest abgerissen – ein schmaler Fassadenstreifen bleibt bestehen. Wenn die neuen Konsumtempel am Brühl in etwa 50 Jahren abgerissen werden, wird man vielleicht wieder meckern, trauern, staunen. Mit Sicherheit wird dann wieder Geschichte verdrängt, Erinnerung über Bord geworfen – wieder zweifach. Potenziert sich dann die Sache?

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