Der 19. Juli 1988 ist ein Tag, der mir wohl nicht wirklich aus dem Gedächtnis fallen wird. Geburt? Hochzeit? Beerdigung? Alles Quatsch. Nein, in Berlin spielte der „Boss“, spielte Bruce Springsteen. Mein Kumpel „Hotte“ war es, der mich irgendwie zwischen Tür und Angel fragte, ob ich denn mit zu Springsteen nach Weißensee käme. Das tat er auch schon bei Joe Cocker im Frühsommer so und diesmal war ich echt von den Socken. Springsteen? Hier?

In der heutigen Medien-Rückschau schien das Konzert – zusammengefasst – eine ideologischer Trick der FDJ hinsichtlich der wachsenden Unzufriedenheit hiesiger Jugendlicher gewesen zu sein. Die Konzertbesucher waren mindestens supertreue FDJ-Anhänger, wenn nicht gar Parteikader.

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Ein großes deutsches Nachrichtenmagazin schrieb in einem Beitrag 2008: „… Um live dabei zu sein, musste der Musikfan – egal ob er auf Rügen oder im Erzgebirge lebte – verlässliches Mitglied der FDJ sein.“

Und einige Zeit später im gleichen Magazin …

„… Sein Konzert auf dem Gelände der Radrennbahn Weißensee fand zwar nicht direkt an der Mauer statt, aber es schrieb dennoch Geschichte, als 200.000 DDR-Bürger gemeinsam mit Springsteen „Born in the USA“ grölten. Das war politisch natürlich völlig unkorrekt und eigentlich erstaunlich, denn bei dem Publikum handelte es sich ganz überwiegend um handverlesene DDR-Bürger.“

Diesen – gelinde gesagt – Schwachsinn kann ich nicht teilen. In meiner persönlichen Erinnerung (und nur die zählt für mich) war es einfach ein geiles Konzert mit vielen, sehr vielen Besuchern. Durchmischt, Jugendliche, ältere Semester, Punks, Soldaten – ein ganz normales Rockkonzert eben. (Rechts: BZ – Artikel, 20.07.1988). Ich denke auch noch an die Drängelei von allen Seiten, so das mir im Sandwich-Modus schnell ziehmlich eng und heiß wurde. Mein Standort damals: Etwa 50 Meter von der Bühne, halbrechts.

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Die LPs „Born in the USA“ (Amiga) und „Tunnel of Love“ (eine Polen-Lizenzplatte) hatte ich bereits vorher aufgesaugt und konnte so zumindest einige Hits auszugsweise mitgröhlen. Offiziell kamen 160.000 Besucher, Schätzungen gingen von mehr als 200.000 aus. Aus Sicherheitsgründen hatte man wohl auch damals nach einiger Zeit die Schleusen gänzlich geöffnet – und so strömten immer noch Leute auf das Gelände.

Titelliste:
BADLANDS
OUT IN THE STREET
BOOM BOOM
ADAM RAISED A CAIN
ALL THAT HEAVEN WILL ALLOW
THE RIVER
COVER ME
BRILLIANT DISGUISE
THE PROMISED LAND
SPARE PARTS
WAR
BORN IN THE USA
CHIMES OF FREEDOM
PARADISE BY THE C
SHE’S THE ONE
YOU CAN LOOK (BUT YOU BETTER NOT TOUCH)
I’M A COWARD
I’M ON FIRE
DOWNBOUND TRAIN
BECAUSE THE NIGHT
DANCING IN THE DARK
LIGHT OF DAY
BORN TO RUN
HUNGRY HEART
GLORY DAYS
CAN’T HELP FALLING IN LOVE
BOBBY JEAN
CADILLAC RANCH
10TH AVENUE FREEZE-OUT
SWEET SOUL MUSIC
TWIST AND SHOUT / HAVING A PARTY

P.S.: An die im Nachrichtenmagazin abgedruckte Eintrittskarte kann ich mich nicht erinnern; sie zeigte wohl eine VIP-Karte des FDJ-Zentralrats. Tatsächlich aber lief die Sache unter „5. Berliner Rocksommer – Konzert für Nikaragua“ …

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