Dynamo Dresden nach dem Abpfiff

Nachdem der Deutsche Sportausschuss bereits 1948 und 1949 Ostzonen-Meisterschaften im Fußball organisiert hatte, gründete er im Sommer 1949 eine zentrale Fußball-Liga für die Sowjetische Besatzungszone, die zunächst unter der Bezeichnung DS-Liga ihren Spielbetrieb aufnahm. Für die erste Saison 1949/50 hatten sich die Meister und Vizemeister der fünf ostzonalen Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

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Sachsen als frühere Fußballhochburg erhielt zusätzlich einen dritten Platz und war schließlich mit vier Mannschaften vertreten, da sich Horch Zwickau in der Ausscheidung gegen den Thüringer Vertreter SG Zeiss Jena (1:1, 2:2, 3:0) durchsetzte. Als 13. und 14. Mannschaft wurden schließlich die Pokalfinalisten Waggonbau Dessau und Gera Süd in die höchste Fußball-Liga aufgenommen, die schließlich mit folgenden 14 Mannschaften startete:

ZSG Anker Wismar (Meister Mecklenburg-Vorpommern)
BSG Vorwärts Schwerin (Zweiter Mecklenburg-Vorpommern)
BSG Volksstimme Babelsberg (Meister Brandenburg)
BSG Franz Mehring Marga (Zweiter Brandenburg)
SG Freiimfelde Halle (Meister Sachsen-Anhalt)
SG Blau-Weiß Stendal (Zweiter Sachsen-Anhalt)
SG Dresden-Friedrichstadt (Meister Sachsen)
ZSG Industrie Leipzig (Zweiter Sachsen)
SG Einheit Meerane (Dritter Sachsen)
ZSG Horch Zwickau (Sachsen)
SG Fortuna Erfurt (Meister Thüringen)
SG Altenburg-Nord (Zweiter Thüringen)
BSG Waggonbau Dessau (Pokalsieger)
BSG Gera Süd (Pokalfinalist)

Noch während der laufenden Saison wurde die DDR gegründet, sodass am Saisonende mit Horch Zwickau der erste DDR-Fußballmeister gefeiert wurde. Nachdem 1949/50 noch die Landesligen als Unterbau der DS-Liga dienten, wurde von der Saison 1950/51 an die DDR-Liga als zweite Spielklasse im DDR-Fußball eingerichtet. Die erste Liga hieß fortan Oberliga, in den bundesrepublikanischen Medien zur Abgrenzung zu den DFB-Oberligen als Zonen- oder DDR-Oberliga bezeichnet.

In den folgenden Jahren geriet die Oberliga massiv unter partei- und sportpolitischen Einfluss. Zur Saison 1950/51 wurden unter Bruch des Vier-Mächte-Status’ die drei Ost-Berliner Mannschaften SG Union Oberschöneweide, VfB Pankow und SC Lichtenberg 47 aus der Gesamtberliner Stadtliga zurückgezogen und in die DDR-Oberliga eingegliedert. Der Vizemeister SG Dresden-Friedrichstadt wurde aus politischen Gründen aufgelöst und durch die Polizeisportgemeinschaft Dynamo Dresden ersetzt. 1951/52 wurde die Oberliga auf 19 Mannschaften aufgebläht, da der neue Sportklub der Militärsportvereinigung Vorwärts mit dem SV Vorwärts Leipzig einen Erstligaplatz erhalten musste und der eigentlich abgestiegene VfB Pankow aus Berlin-politischen Gründen in der Oberliga verbleiben sollte. Nachdem 1953 mit der BSG Motor (vormals Union) Oberschöneweide die letzte Berliner Mannschaft aus der Oberliga abgestiegen war, wurde zunächst der SV Vorwärts Leipzig nach Berlin umgesiedelt, 1954 musste Dynamo Dresden nach Berlin umziehen. Im selben Jahr wurde auf Betreiben Rostocker Funktionäre die Oberligamannschaft der BSG Empor Lauter vom Erzgebirge in die Ostseehafenstadt zum SC Empor angesiedelt.

Ebenfalls im Jahre 1954 wechselten zahlreiche Oberligamannschaften ihre Namen, aus Betriebssportgemeinschaften wurden Sportclubs:

BSG Wismut Aue > SC Wismut Karl-Marx-Stadt
BSG Aktivist Brieske Ost > SC Aktivist Brieske-Senftenberg
BSG Rotation Dresden > SC Einheit
BSG Turbine Erfurt > SC Turbine
BSG Turbine Halle > SC Chemie Halle-Leuna
BSG Chemie Leipzig > SC Lokomotive
BSG Einheit Ost Leipzig > SC Rotation

Nachdem die Oberliga-Saison 1954/55 mit 14 Mannschaft für die Zukunft ihre endgültige Teilnehmerzahl erreicht hatte, wartete der Fachausschuss Fußball des DS erneut mit einer tiefgreifenden Neuerung auf. Entsprechend dem politischen Vorbild Sowjetunion musste ab 1956 im DDR-Fußball nach dem Kalenderjahr-Rhythmus gespielt werden. Dazu wurde im Herbst 1955 eine Übergangsrunde mit 13 Spieltagen eingeschoben, in der es keinen Meister und keine Absteiger gab.

Während es bis 1955 keiner Mannschaft gelang, sich dauerhaft als Spitzenteam zu etablieren, kristallisierten ab 1956 zunächst mit dem SC Wismut Karl-Marx-Stadt und danach mit dem ASK Vorwärts Berlin Klubs heraus, die in den nächsten Jahren die Oberliga beherrschten. Ab 1958 übernahm der in diesem Jahr gegründete DDR-Fußball-Verband (DFV) die Organisation der Oberliga, die ab 1961 wieder zum Herbst-Frühjahr-Rhythmus zurückkehrte. Die Meisterschaft 1963/64 endete mit der größten Überraschung in der Oberliga-Geschichte. In Leipzig war wieder einmal der Fußball neu organisiert worden, mit dem SC Leipzig sollte ein zentraler Fußballschwerpunkt mit den vermeintlich besten Spielern entstehen. Die nicht förderungswürdigen Spieler der bisherigen Clubs Lok und Rotation wurden der BSG Chemie Leipzig zugewiesen. Völlig überraschend wurde aber der so genannte „Rest von Leipzig“ am Saisonende DDR-Meister, während der SC Leipzig nur auf Platz drei landete.

Da der DDR-Fußball international bisher nur eine untergeordnete Rolle spielte, gab es zur Jahreswende 1965/66 erneut eine strukturelle Änderung. Durch Ausgliederung von Fußballsektionen aus den Sportclubs wurden folgende neue Fußballclubs gegründet:

Berliner FC Dynamo
1. FC Union Berlin (erst ab 1966 in der Oberliga)
FC Vorwärts Berlin
FC Rot-Weiß Erfurt
Hallescher FC Chemie
1. FC Lok Leipzig
FC Carl Zeiss Jena
FC Karl-Marx-Stadt
1. FC Magdeburg
FC Hansa Rostock

Andreas Thom für den BFC DynamoAb 1971 dominierten für fast ein Jahrzehnt die Mannschaften der SG Dynamo Dresden und des 1. FC Magdeburg die Oberliga. Bis 1978 wurde Dynamo fünfmal und der FCM dreimal DDR-Meister. 1979 begann die Ära des BFC Dynamo, der bis 1988 zehnmal in Folge den Meistertitel gewann. Diese Zeit sorgte allerdings auch für Frustrationen ob des „Dauersiegers“ und Spekulationen über Schiedsrichtermanipulationen. Der Autor des Artikels erinnert sich hier selbst an ein 4:5 von Rot-Weiss-Erfurt zu Hause gegen den BFC und ein „Festival fragwürdiger Schiri-Entscheidungen“. Der sechsfache Meister der 1950er und 1960er Jahre, der ASK / FC Vorwärts Berlin wurde in den 1970er Jahren ein Opfer der verfehlten Politik der Armeesportvereinigung Vorwärts. Diese versetzte den Club 1971, drei Jahre nach seinem letzten Titelgewinn nach Frankfurt (Oder), mit dem Ergebnis, dass Armeefußballer 1977 erstmals und 1988 endgültig aus der Oberliga abstiegen. Die letzten beiden regulären Oberligaspielzeiten 1988/89 und 1989/90 beendete wiederum die SG Dynamo Dresden als Meister, die damit auf acht Titelgewinne kam.

Die DDR Meister:

1948 SG Planitz
1949 Union Halle
1950 Horch Zwickau
1951 Chemie Leipzig
1952 Turbine Halle
1953 Dynamo Dresden
1954 Turbine Erfurt
1955 Turbine Erfurt
1956 Wismut Karl-Marx-Stadt
1957 Wismut Karl-Marx-Stadt
1958 Vorwärts Berlin
1959 Wismut Karl-Marx-Stadt
1960 Vorwärts Berlin
1961 kein Meister
1962 Vorwärts Berlin
1963 Motor Jena
1964 Chemie Leipzig
1965 Vorwärts Berlin
1966 Vorwärts Berlin
1967 FC Karl-Marx-Stadt
1968 Carl Zeiss Jena
1969 Vorwärts Berlin
1970 Carl Zeiss Jena
1971 Dynamo Dresden
1972 1. FC Magdeburg
1973 Dynamo Dresden
1974 1. FC Magdeburg
1975 1. FC Magdeburg
1976 Dynamo Dresden
1977 Dynamo Dresden
1978 Dynamo Dresden
1979 FC Dynamo Berlin
1980 FC Dynamo Berlin
1981 FC Dynamo Berlin
1982 FC Dynamo Berlin
1983 FC Dynamo Berlin
1984 FC Dynamo Berlin
1985 FC Dynamo Berlin
1986 FC Dynamo Berlin
1987 FC Dynamo Berlin
1988 FC Dynamo Berlin
1989 Dynamo Dresden
1990 Dynamo Dresden
1991 FC Hansa Rostock

Quellen: Wikipedia, fussballdaten.de, Privat.

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