In meiner DDR-Jugend wurde mir der DDR-Sozialismus einst in die Wiege gelegt. Das Ende des stinkend-fauligen Kapitalismus war ständig nahe, die Weltrevolution nach sowjetischem Vorbild quasi schon in Arbeit und der eigentliche Feind saß sowieso im Westen. „Linke“ hieß das damals allerdings mehr oder weniger nur dort drüben, denn im glorreichen Osten schien auf uns unter Führung einer Einheitspartei die Sonne des Sozialismus.

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Wenn unwissende Altbundesbürger und Spätgeborene heutzutage in die Kommentarspalten unsozialer Netzwerke hirnlose Dinge hämmern, wie „DDR 2.0“, „genau wie damals in der DDR“ oder „Die Linke“ reflexartig mit dem Wunsch nach Rückkehr der untergegangenen DDR verknüpfen, so frage ich mich, ob sie wirklich wissen, was sie da sagen. Eher nicht.

Niemals Schule schwänzen!

Sicher, in der DDR wurde rote Götzenverehrung betrieben und man vermischte ständig „Sozialismus“ und „Kommunismus“ wie bunte Knetmasse. Doch an dieser Stelle muss ich die heutigen Linksberufenen enttäuschen: Die DDR war nicht „links“ nach heutiger Definition, sondern geradezu stockkonservativ. Mit Datsche und gartenzwerglichen Rückzugsstrategien ihrer Bewohner ins Private. Das dann zur ersten und gleichzeitig letzten freien DDR-Wahl 1990 vor allem konservativ gewählt wurde, war daher rückblickend nicht wirklich überraschend.

Doku „Unter Linken“ von Jan Fleischhauer – Teil 1 (2010):

Wie sehr die „Linke“ politisch im Einheitsbrei angekommen ist, wird auch am Reizthema „Flüchtlinge“ deutlich: So meint die „Die Linke“ etwa … „Wir unterstützen die Forderungen nach einem sofortigen Stopp der Abschiebungen und nach einem Bleiberecht für alle.“ Übrigens gab es auch in der DDR reichlich „Vertragsarbeiter“, allerdings mit zeitlich und örtlich beschränkt erteilter Aufenthaltsgenehmigung. Motivation waren damals zunächst die Aus- und Weiterbildung von Arbeitskräften, später aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation vor allem billige Jobber für schlecht bezahlte oder gefährliche Arbeitsplätze. Die Aufenthaltsdauer wurde limitiert und auf zwei, später auf fünf Jahre begrenzt. Das Rotationssystem erlaubte – nebenbei bemerkt – keinen Familiennachzug.

Die „Antifa“ demonstriert friedlich im Rahmen des G20:

Das die Partei „Die Linke“ kaum linker ist, als andere Parteien und nur wenig mit rotgefärbter DDR-Linksromantik zu tun hat, sollte der halbwegs politisch Interessierte gemerkt haben: Spätestens, seitdem die Truppe um Westimport Ramelow im Bundesland Thüringen an die Macht gewählt wurde, hat sie nicht wirklich die angestrebte Abkehr vom kapitalistischen System vollzogen und ein demokratischer Sozialismus ist auch dort noch immer nicht in Sicht. Das in Herbert-Roth-Land Sozis und Bündnisgrüne mitregieren, entbehrt nicht einer gewissen Symbolik und spricht eher für eine politische „Einheitsfront“, die gerne auch noch Merkels Union mit aufnehmen könnte. Man würde es kaum merken.

„Kampf dem rechten Rand“ – die AfD als Feindbild:

„Links“ sein heißt aktuell vielmehr, als garantiert guter Mensch eine gewisse Deutungshoheit besitzen zu dürfen. Das Korrektiv zum rechten Rand, der unbedingt bekämpft werden muss. Man könnte an dieser Stelle erneut bemerken, dass Parteien wie CDU/CSU und natürlich auch FDP nicht gemeint sind. Das eigene Versagen kompensiert durch den heroischen Kampf gegen rechte Phantomarmeen, die ganz sicher nur darauf warten, das gute Linksdeutschland zu übernehmen. Und da gibt es tatsächlich auch mal eine Parallele zur DDR: Die Paranoia, der kapitalistische Feind könne jeden Augenblick einmarschieren und uns alle Errungenschaften des Sozialismus stehlen.

Endlich ein Feindbild! Die „Antifa“ Berlin berichtet:

Aprospos einmarschieren: Die „Antifa“, sinnfreier Pöbelarm aller vermeintlich guten „Linken“, hat tatsächlich einen Hauch von Militanz. Möglicherweise konnten junge Menschen – vor allem nach Abschaffung der Wehrpflicht – sich nur ungenügend auslasten, obwohl dies doch vor allem für den heranwachsenden Mann so wichtig wäre. Gut möglich, dass sich alte Antifaschisten im Grabe wälzen würden, wenn sie mitbekämen, was inzwischen so unter „Antifa“ läuft.

Gibt es sie vielleicht gar nicht, die „Linken“? Ist es nicht eher ein Lebensgefühl? Geht es nicht darum, im Schwarm der Meinungs-Mehrheit scheinbar alles und überall gut und richtig zu machen und damit garantiert auf der „richtigen“ Seite zu sein?

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