Sonnenblume

Mit der Verlagerung des eigenen Ichs in die Öffentlichkeit werden auch jene Anteile mitgenommen, die real gar nicht oder nur unterbelichtet existieren. Der Wunsch, ein guter Mensch zu sein, gehört unweigerlich dazu. Am Ende der Medien-Stange gibt es ganz viele Gutmenschen, die unsere Welt retten – darunter geht einfach mal gar nichts.

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Zugegeben, „Gutmensch“ ist eine eher verächtliche Bezeichnung für jene, die philantropisch wahrgenommen werden möchten. In den Medien, den sozialen Netzwerken. Hauptsache, öffentlich. Der „Gutmensch“ steht immer auf der vermeintlich „richtigen“, der moralisch unangreifbaren Seite. Diese Stellung verleiht dem „Gutmenschen“ eine gefühlte Macht, die letztlich aber Fassade bleibt. Hinter dieser Machthülle stecken dann das menschlich Dunkle, Böse und eben alle Nebenwirkungen von Macht.

Themen besetzt der „Gutmensch“ immer: „Für den Klimaschutz“, „Kampf den Diktatoren“, „Schutz den Minderheiten“, „Für Kinder in Afrika“, „Vegan essen – Tiere schützen“, „Rettung des Regenwaldes“, „Multikulturelle Bereicherung“. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen. In einer narzistischen Gesellschaft darf sich der „Gutmensch“ sicher sein, dass er damit einer Majorität angehört.

So richtig blüht der „Gutmensch“ auf, wenn es um politische Themen geht. Hier hat er das Gespür, sich öffentlich als „gut“ zu produzieren – etwa zum Thema „PEGIDA“: Man kann von der bürgerlichen Unzufriedenheits-Bewegung halten, was man will, doch obwohl jeder noch so Halbwissende das PEGIDA-Positionspapier downloaden und begutachten könnte, wird die gutmenschliche Moralkeule geschwungen – nicht das erste Mal in einer Zeit, in der man durchaus kritisch daherkommen und mit der Politik ins Gericht gehen darf. „Promis“ aus Politik und Kultur treten etwa geballt als „Gutmenschen“, Ex-Kanzler Schröder ruft gar zum „Aufstand der Anständigen“ auf. Die Grünen meinen in der „Welt: „Wir sollten Weltmeister der Menschlichkeit werden“. Klasse, besser geht es nicht!

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Wie viele Transparente mit dem Schriftzug „Refugees Welcome“ wohl vor den Villen jener „Promis“ pranken? Und ob sie bereits Refugees in den eigenen Haushalt aufgenommen haben? Das wäre doch auch mal eine öffentliche Story wert.

Und der gute Mensch?

Über ihn ist nicht wirklich viel zu sagen, denn er handelt gut und im Dienste konkreter Menschen (oder Tiere). Er hilft, pflegt, opfert – ohne Gewinn oder gar Macht daraus zu ziehen. Es ist ihm deshalb nicht wichtig, dafür wahrgenommen zu werden, sein Handeln der Öffentlichkeit preiszugeben. Der gute Mensch ist keine moralische Instanz, (Meinungs)Majoritäten sind ihm egal.

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