Man kann jedes Jahr ein neues begrüßen und der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt – oder doch? Zumindest scheint auch hier wieder die Barriere im Kopf zu liegen, schwer wie ein gefällter Mammutbaum. So wiederholte sich das „Krach – Klatsch – Bumm“ gestern unendliche Male und gefühlt bis 5 Uhr morgens. Leere Gesichter hinter dem Böllerarsenal. Eine Vorahnung für 2012? Immerhin hatte Angie bereits auf kommende Einschnitte hingewiesen.

Die Ausgeburt der Unkreativität am 31. Dezember wiederholt sich alle 12 Monate! Oder gewählter ausgedrückt: die Jahresend-Choreographie der Masse bleibt immer gleich. Arrogant? Überheblich? Mitnichten, denn das Programm in den Köpfen wird medial vorgelebt, ja regelrecht zelebriert. TV-Redakteure (Ausnahme sind die Nischensender, die an den restlichen 98 Prozent auch sonst vorbeijagen) können sich endlich austoben und den unter Umständen sonst verordneten Anspruch bei Seite legen.

So lief im TV nach dem vermeintlichen Dauerbrenner „Dinner for One“ auf jedem Sender Partystimmung an, um sich dem Jahresende zwischen Suff und Besuch doch noch irgendwie nähern zu können. Im ZDF gab es den „Warmupper“ für „die größte Silvesterparty der Welt“ (O-Ton) am Berliner Brandenburger Tor, den Dauernervensäge Andrea Kiewel begleitete. Die Berliner Superparty entpuppte sich dann – zumindest was die musikalischen Beiträge betraf – zur kulturellen Kaffeefahrt für schwerhörige Senioren, denn die drücken bei dünnen Stimmchen und schiefen Tönen auch gerne mal ein blindes Auge zu.

„DJ Bobo“ hat sein Jahren kleine Kinder, „Glasperlenspiel“, „Frida Gold“ und ähnliche Bringer klangen irgendwie alle gleich und erst als Ex-Survivor Frontmann Jimi Jamison sein „Eye of the Tiger“ ins Mikro brachte, schien dieser Gleichklang außer Kraft gesetzt. Die beste Leistung der Moderatorencrew war es, die letzten zehn Sekunden des Jahres herunter zu zählen.

Im Kuschelsender MDR jagte ein Spaß den nächsten, so dass ich mich vor Lachen kaum halten konnte. Grandios, was der MDR da jährlich auf die Beine stellt. Und als ob es für „Muck“ nicht genug wäre, „Damals wars“ zu moderieren, so muss der arme Kerl auch noch einen alten Hit – angepasst an die nicht mehr so ganz taufrische Stimme – dauerlächelnd darbieten. Die Krönung war dennoch RTL, denn die brachten mit Oliver Geißens „Die größten Après-Ski Hits“ eine Sendung aus dem Jahre 2008 (!) auf die Mattscheibe. Was solls, der Bekloppte da draußen merkt das eh nicht.

„Da draußen“, dass war gestern in Berlin auch die Straße, waren mutig-besoffene – und sonst stumme – Familienväter, die endlich dem Nachwuchs zeigen konnten, wie man etwas in die Luft jagt und verbogene Frauengesichter, die mit 3 Promille auf dem Kessel “ … juuutn Ruschschsch“ oder so ähnlich wünschten.

Heute morgen war ich mit dem Hund spazieren und es war ganz still. Überall Fetzen und Wunden der vergangenen Nacht. Überall verpuffte Kohle und sicher für einige Freizeitterroristen die Erkenntnis, dass sich (wieder mal) nichts, aber auch wirklich nichts geändert hat. Es sei denn, wir machen Revolution – und legen Silvester auf den 1. April.

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