Als ich „Leon“ 2008 in seiner Neuköllner Pflegestelle zum ersten Mal begegnete, war da ein kleiner Welpe, der sowas von verspielt und liebenswert aufdringlich war, dass ich ihn ein paar Tage später kurzentschlossen mitnahm. Das er einmal zu einem ausdauernden Jagdhund heranwachsen würde, war mir damals wurscht und auch sonst wusste ich nicht wirklich viel über Hunde. Er durfte anfangs so ziemlich alles, was ein kleiner Hund nicht darf und ich konnte mir auf der Straße gefühlte 1000 Dinge von mindestens 754 „Experten“ anhören, wie man ihn am besten erziehen könne. Also holte ich mir letztendlich eine „mobile Hundetrainerin“, die ihre Dienste mit allerlei Referenzen werbewirksam anbot. Was Leon und seine Erziehung betraf, so war die gute Frau sehr optimistisch, ja fast euphorisch hinsichtlich ihrer eigenen Fähigkeiten.

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Heute greife ich mich manchmal an die Birne, wenn ich an diese Zeit denke. Jeder Leinenruck war für den Hund Bestrafung, jedes „am Fuss“ laufen stresste ihn. Wenn Leon einen anderen Hund sah, rastete er vor Freude aus und vergaß alles, aber wirklich alles, was er davor mit Mühe eingetrichtert bekam. Mein Geld war ich nach diesem Trainingslager natürlich los und Leon blieb so, wie er immer war: Agil, unkaputtbar und unglaublich schnell – ein Energiebündel eben.

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Irgendwann nahm ich ihn dann so, wie er war und zwang mich nicht, mit ihm sinnlos Auto- oder S-Bahn zu fahren, ihn vor einem Aldi anzubinden oder auf einen sonntäglichen Trödelmarkt mitzunehmen. Trotz aller Risiken und Gerüche, die der dichte Wald um die Ecke für ihn bereithielt, durfte er sich fortan dort austoben und mir zeigen, welche Neigungen so die seinen waren. Man(n) lernt eben ein Lebewesen immer erst später kennen – auch hier war der Weg immer das Ziel.

Ein Vorstehhund …

Vorstehen, vorstehen, vorstehen und in wüsten Sätzen Richtung Beute springen – so entwickelte sich der junge Mann und ich begriff so langsam, wie es ist mit einem Jagdhund an der Seite. Stundenlange Wanderungen inklusive kilometerweite Sprint- und Jagdeinlagen waren kein Test für ihn. Zu Hause forderte er mich dann immer noch zum Spielen auf. Herrchen war da allerdings schon am Abnippeln und spürte jeden Knochen.

So reifte die Idee in mir, Leon eine Hündin an die Seite zu holen. Deutsch-Kurzhaar „Donna“ bewältigt diese Aufgabe seither super und schickt den Rüden – trotz seiner hundenormalen „Popp- und Machoattacken“ – durchaus in seine Schranken. Heute ist Leon zweieinhalb Jahre, 60cm hoch und wiegt dabei nur 18 (!) kg. Meine Rolle als Spielhund hat jetzt seine Hundedame übernommen.

Er kann – gemeinsam mit ihr – einige Stunden alleine bleiben, da er sonst entsprechend ausgelastet und beschäftigt wird. Aktuell zerlegt er seine alte Hundematte aus Schaumgummi in viele kleine Puzzleteile und ich muss mich erst einmal in diesen Tick einarbeiten. Er ist stubenrein, schaut lieb und ist verschmust, wenn es ihm passt. Noch gibt es einige Dominanzkämpfe zwischen uns „Männern“ – und er zieht regelmäßig den Kürzeren.

Viel Arbeit – und ganz sicher wird dieser äußerst liebenswerte Kerl auch noch erwachsen.

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