Scheiß Fasching!

Der Autor als Schneider mit Schere und Dame
Tapferer Schneider mit Schere und Dame

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Und tatsächlich waren mir die jährlich wiederkehrenden Narren nebst Faschings-TV und Discounterkostümen schon fast egal. Nun habe ich allerdings zwei kleine Kinder, die ins narrenfähige Alter kommen. Und genau da bricht meine alte Wunde wieder auf.

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Es muss in den frühen Siebzigern gewesen sein, als mein erster richtiger Kindergarten-Fasching stattfand. Ich wurde als „tapferes Schneiderlein“ verkleidet und hatte jede Menge Pfannkuchenzucker im falschen Bart. Furchtbar! Alles klebte, ich sollte ständig „helauuuu“ brüllen und am Ende nannte ich eine, mit der Zeit aufgeweichte Pappschere meine einzige Waffe dagegen.

Ultimative Büttenrede

Doch auch spätere 0815-Kostümierungen wie „Indianer“, „Cowboy“ oder „Pirat“ brachten kein besseres Gefühl an diesen Tagen. Zu jener Zeit in einer Gegend wohnend, deren heimliche Hauptstadt Wasungen wohl die ultimative DDR-Karnevalshochburg war, konnte man sich kaum den „tollen Tagen“ entziehen. Als Jugendlicher ging ich – mit Tarnhut – zu diversen Faschingsbesäufnissen oder verzichtete ganz auf den Blödsinn.

Gruppenbild mit lustigen Kostümen

Gerade erwachsen schien dieser kaum zu ertragende Schwachsinn durch den Beitritt des Ostens zur bunten Narrenrepublik nochmals an Intensität zuzunehmen. Vielleicht waren es aber auch nur diese furchtbaren TV-Übertragungen, die ich immer brav mitfinanzieren durfte, ohne selbst dabei Spaß haben zu können. Und ja, ich bemühte mich redlich, die geistreichen Witze – unterbrochen mit einem „TaTaaa, TaTaaa“ – grundlegend zu verstehen oder irgendeine wirklich witzige Passage herausfiltern zu können. Fehlanzeige.

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Meine Tochter hatte gestern „Fasching in der Kindersportgruppe“. Mit Eltern. Das Kind war farblich gut abgestimmt und hatte so etwas wie ein „Prinzessinneneinhorn“ auf dem Kopf. Und natürlich musste meine Frau dort hin. Die Sporttante hatte sich verkleidet und war als Mensch nicht mehr wiederzuerkennen. Töchterchern hatte aus Angst vor einer nunmehr fremden Tante keine Lust mehr und brach die Veranstaltung früher ab, als geplant.

Scheiß Fasching.

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