Der Liedermacher Gerhard Schöne sang einmal: „Hast du mal `ne Freundin, dann sei ihr immer nobel. Und wenn sie dir ein Küsschen gibt, schenkst du ihr einen Popel.“ Darüber minneartig singen – ja. Doch sprechen mag man darüber nicht so recht. Es ist an der Zeit, eines der letzten großen Tabus unserer Zeit zu brechen. Dabei versuche ich, mich dem Thema vorsichtig zu nähern. Popeln ist nämlich Pflicht, sonst würden wir wohl bald durch die Ohren atmen müssen.

Und das kommt so: Unser Nasensekret, auch „Rotz“ genannt, ist flüssig wie Wasser und schrabbelt wie der Niagarafall dauerhaft den Rachenraum hinunter. Dort, wo den Rotz die Luft erreicht, wird er trocken und haftet fest in der Nase. Nun kommt der Finger (oder auch zwei) ins Spiel und puhlt den oder die Popel heraus. Toll ist, dass wir nunmehr wieder frei atmen können – und zwar durch die Nase. Alternativ kann auch ein sogenanntes „Taschentuch“ benutzt werden. Ich persönlich wäge immer kurzfristig ab, ob sich der Einsatz lohnt oder ich Gefahr laufe, beim schnäuzen zu platzen. Denn auch hier gilt: was nicht aus der Nase kommt, geht eventuell durch die Ohren.

Das Popeln ist also eine gesunde Notwendigkeit und irgendwie auch, wie die Suche nach Diamanten. Denn das, was zu Tage gefördert wird, reicht von grün-kristallin bis gelb-gummiartig, von klein-bröselig bis XXL und zackenfest. Es gibt schätzungsweise 173 Millionen Formen und Farbkombinationen unter Popeln. Ob sie miteinander kommunizieren können? Können chinesische Ärzte anhand der Popelkonsistenz das Lebensalter bestimmen? Gibt es ein Mindesthaltbarkeitsdatum für Popel?

Als junge Burschen führten wir einen ganz besonderen Wettbewerb durch und es ging dabei schon immer um die eine, quälende Frage: Wer hat den Größten? Ich erinnere mich, als der Sieg an einen Kumpel und dessen „Königspopel mit Schleppe“ ging. So etwas hatte ich bis dato noch nie gesehen, geschweige denn, aus meiner Nase geholt. Heute bin ich mir nicht sicher, ob damals alles mit rechten Dingen zuging. Schließlich hatten wir noch keine Ahnung von unfairen und dopingverseuchten Wettkämpfen.

Ein ganz entscheidendes Thema ist der Geschmack des Popels. Als Gourmet frage ich mich natürlich, ob alle Popel ähnlich schmecken. Ist er gut grundgesalzen, fehlt es vielleicht etwas an Süße – Unterzuckerungsgefahr! Deshalb schlägt hier auch die Stunde des Kenners! Schleppenpopel bringen ihrer eigene Sauce mit, die trockenen Gesellen könnten zumindest einen Dip vertragen. Besonders gesund scheint das Popeln an der Küste: Man kann reichlich ernten, nimmt frisches Meersalz auf und hat eine sandknirschende Delikatesse zwischen den Zähnen, die Muscheln in nichts nachsteht. Soviel dazu.

Auf was sich warte? Inzwischen dürfte es sicher kein wirklich riesiges Problem darstellen, mit dem „Superpopel“ TV-Quote zu machen.

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