Verhungern 2.0

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Als aktiver und neugieriger Nutzer aller möglichen Webangebote habe ich mich einem gefährlichen Selbsttest unterzogen. Die Aussicht auf mehr Freizeit mit mir selbst und allen, die mich umgeben, hat meine Hand magisch zum anklicken eines Onlinesupermarktes geführt. Nein, nix Ebay and Friends, sondern richtig einkaufen – also Milch, dosenweise Hundefutter und Frischware, wie ein tiefgefrorenes Hähnchen und unbekannten Rotwein von ungarischen Hängen.

Nun hielt ich mich selbst für einigermaßen gründlich und versuchte vorzusorgen, indem ich diverse Testberichte studierte. Alles für die Katz`, soviel weiß ich Tage später.

Begonnen hat alles mit meiner Bestellung beim Anbieter „lebensmittel.de“, ehemals „doit24“. Anmelden, im Shop stöbern, bestellen, genießen – so die nahrungsphilosophische Kette. Auf der Website waren paradisische Zustände zu lesen: „Alle bundesweiten Bestellungen, die werktags bis Mitternacht eingehen, sind innerhalb des nächsten Tages nach Bestellung versandfertig und verlassen in der Regel noch am selben Tag unsere Lager, so dass sie voraussichtlich am übernächsten Tag bei Ihnen sind. Alle Bestellungen in den aufgeführten Städten, die werktags bis 7 Uhr morgens eingehen, werden in der Regel am gleichen Werktag ausgeliefert.“

Da Berlin „so eine“ Stadt ist, bestellte ich am 13.01.2011 abends, zusammen mit einem Glas Rotwein in der Hand. Mein Kalkül: Ich bestelle am Donnerstag und habe die Lieferung am Samstag. Kein Wochenendeinkauf alter Prägung – nie wieder Tüten schleppen! Am Freitag kam tatsächlich eine Lieferung, doch überbrachte mir der Bote mit Transporter nur einige wenige Artikel und wusste selbst nicht genau, wann der Rest kommt. Ich rief beim „Kundenservice“ an und hatte eine Dame an der Leitung, die sich in diesem Sommer nichts vornehmen und der deutschen Sprache mächtig werden sollte. „Hä?“ und „habben sie Rechnung viezzzig“* und ähnliche Wortbrocken ließen uns kein erfülltes Gespräch führen. Also geduldig sein …

Das war ich auch die nächsten Tage und kaufte immer nur für den kommenden Tag ein. Gefühlt fast verhungert rief ich vor ein paar Tagen eben wieder jene Hotline an, hinter der sich eventuell ein Deutsch-Anfänger-Kurs verbirgt und hatte …. ein Rauschen im Ohr. Null, nix, nicht da. Sage und schreibe heute (!) und damit mehr als eine Woche später bekam ich ein ähnliches Exemplar Servicekraft (oder das gleiche?) an die Strippe: „Ähm … die Lieferung wuude stonnit. Habe sie keine Mail gekriegt? Tut mi leid.“* Storniert??? Ich hatte nichts storniert, dafür aber der Supermarkt – wegen „Lagerbestandifferenz“. Gut, ich verzichte auch – bei diesem Supermarkt für immer. Immerhin will man mir das Geld zurückzahlen. Ein feiner Zug …

An dieser Stelle sei angemerkt, dass Onlinemärkte für Lebensmittel hierzulande scheinbar nicht einmal Betastatus besitzen. Wir sind schließlich nicht in UK und nicht bei Tesco. Hier wird noch gut und günstig per Versand verschickt – die Kühlmethoden würden mich aber dann doch noch interessieren.

Wichtig auch: Es handelt sich um ein ausgesprochenes Einzelschicksal!!!

*Gesprächsprotokoll nachgestellt.

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